← Memoirs, diaries and letters
memoir · by a contemporary
Kriegsbriefe aus den Jahren 1870/71
Hans von Kretschman (1832–1899), 1904
Named on the pages for Battle of Wörth (1870), Battle of Mars-la-Tour, Battle of Gravelotte.
machine-read Machine-read (OCR) from a scanned book at the Internet Archive: expect misread words and names. The scan itself is at the library.
draft Matched to the battles automatically; not yet reviewed.
Passages that name the battles; the whole book is at Internet Archive.
6 August 1870
Battle of Wörth (1870)
BEN, (ER
Durch die Schlacht vom 16. wurden ihm die eriten beiden Wege, durch die vom 18. die legteren beiden unmöglih. Der Feind war alſo gezwungen, nach Meg zu gehen und die Vereinigung aufzugeben. Daß ein Sieg eclatantere Folgen hat, wenn man den Feind meilen- weit verfolgen fann, iſt natürlich, da fallen Gefangene, Gefchüge und was damit verbunden tft, den Verfolgern in die Hände. Wir ftanden ſo nahe an Meg, daß eine Verfolgung unmöglich war. Die franz. Armee ift in Meg eingefchloffen; fie kann verfuchen, auf irgend einem Punfte durchzubrechen. Doch mit jedem Tage wird Das ſchwieriger, da wir täglich ſchanzen. Mittler Weile kann aber der Kronprinz mit feinen mehr als 200000 Mann dem Dinge ein Ende gemacht haben. Unfere Siege, d. h. die des 3. Corps, machen in ihrer Darftellung allerdings nicht den Effect, wie der von Wörth, aber fie haben den einen Werth, der nicht unterfchägt werden darf: wir haben bei Spicheren wie bei Vionville gegen 2 und 3fache Ueberlegenheit gefämpft, während das bisher umgekehrt der Fall war. Der Sieg von PVionville ift in feiner Ausführung wie in feinen
NEON
*) Nach der Schlacht von Wörth ſtellte der Kronprinz meinen Onkel dem Könige mit den Worten vor: „Das ift Otto Guftedt, feiner mutigen Recognos— eirung verdanke ich die wichtigften Nachrichten.” Er befam das Eiferne Kreuz für feine tapferen Leiftungen.
NEON
Ueber den armen Schmettow weiß ich nicht mehr wie Du. Ich denke, daß es wahr iſt, daß man ihn nach Paris brachte, ſchon um mit einem preußifchen Grafen zu renommiren. Siemon iff bei Wörth gefallen; Adams ift verwundet, und zwar 3 Mal leicht.
NEON
„Ich habe mich gehütet, Moblot zu werden; ich ging in eine „Ambulance, da brauchte ich nicht ing Feuer, wurde, wie Sie fehen, „decorirt und amüfirte mich. Die fchönften Damen von Paris kamen „dahin, ſcheinbar um Kranfe zu pflegen, in Wahrheit, um fich den „Hof machen zu laflen, e8 waren ja Wärter genug da.” Dann: „mein Bruder avait de bonne chance, er wurde ſchon bei Wörth
16 August 1870
Battle of Mars-la-Tour
EIER
die fernen Soldaten oder half eine Kifte pacen für den „armen Papa, der nicht? zu effen hat“. Was mein Vater im Feldzug gegen Frankreich erlebte, hat er felbit in feinen Briefen ausführlich darge— ftellt. Er bat im höchften Maße feine Pflicht erfüllt und in zwei Fällen ausjchlaggebende Entjcheidungen herbeigeführt. Zuerſt am 15. Auguft 1870 bei der Schlacht von Vionville, wo er in einem kritiſchen Moment 48 Gefchüge allein auf eine Höhe führte, von der aus das Vorgehen des Feindes unmöglich gemacht wurde, und fodann am 15. Dezember defjelben Sahres bei dem Gefecht von Vendôme. Mein Vater war von feinem Chef, General von Ulvensleben, nach Bendöme gefchickt worden, um die Lage der Dinge fich anzufehen. Drei feindliche Rorps, fo hieß es, hätten fich dort Fonzentriert, und man erivartete eine Schlacht für den 16. General von Hartmann hatte den Oberbefehl, aber er überließ meinem Vater vollftändig die Leitung des fich entwicelnden Gefechts, das mit dem völligen Siege und der Einnahme von Dendöme endete. Die Lorbeeren für diefen Sieg hat Herr von Hartmann dann freilich für fich in AUnfpruch genommen. Das hat meinen Dater zwar auch gefränft, aber doch lange nicht fo jehr, als die ungerechte Behandlung, die dem III. Korps fpäter, wie er oft fagfe und fchrieb, zu teil geworden iſt. Durch um fo größere Anhänglichkeit an feinen verfannten Führer ſuchte er das, wenigftens foviel an ihm war, wieder gut zu machen. Er blieb dauernd in Beziehungen mit General von Qllvensleben, der feinerfeits auch ihn, wie folgende Briefe beweifen, fehr fchäßte:
BEN
die Schlacht bei Vionville decimirt, hatte wenig Antheil an geftern. Erft am fpäten Abend griffen wir ein.
SEN 67
Durch die Schlacht von Vionville wurde den Franzofen es unmöglich auf Verdun zu gehen, fie fonnten nur eind noch ver: fuchen, nad) Thionville zu gehen, das verbot ihnen die Schlacht am 18.; fie ftehen nun cernirt in Mes, rings herum die preuß.
SEN 67
Die Schlacht von Vionville ift allein das Ver— dienst des Generals NUlvensleben, der ohne einen Augenblick des Beſinnens dreifache Lleberlegenheit angriff.
18 August 1870
Battle of Gravelotte
BERN OL
*) Gemeint ift die Schlacht von St. Privat la Montagne.
BEN
Ein ſchöner Gedanke, aber es kommt oft anders. Eben war das Geburtstagsdiner fertig, als Allarm kam. Bazaine ſollte den Verſuch machen, auf dem rechten Moſelufer zu entkommen. Bei ſtrömendem Regen, ſpäter Gewitter, endlich Hagel, daß die Pferde Kehrt machten, rückten wir vor. Aber es war nichts wie ein leichtes Vorpoſten-Gefecht. Man ſagt, in Metz ſei Typhus und man dislo— eire die Truppen. Jetzt aber erhalten wir Marſchbefehl vor Metz vor; Gott ſei dafür gedankt; hier in dieſer Verweſungs-Atmoſphäre kommt man um. |
BEN
Es war die Nachricht angelangt, daß bei Vouziers ne Feind, d. bh. Mac Mahon ſtehe, man wollte ihn angreifen, und deßhalb jollte der Kronprinz von Sachfen um 2 ArmeeCorps (dag 2. und 3.) verftärft werden. Deßhalb wohnte ich gejtern beim Maire von Etain. Nun war aber Mac Mahon nicht bei Vouziers, darum wohne ich heufe wieder in Chateau Moncel pres de Metz. Mit welchem DVergnügen wir hierher gingen, Ffannft Du Dir denken. Diefe verdammte Pejt-Gegend. Das CH. Moncel ift ganz reizend, der Park wundervoll. Das Schloß natürlich leer von Bewohnern u. Möbeln; was zur Folge hafte, daß es von vorbeipaffirenden Soldaten jehr vandalifch verwüftet wurde. Als wir geftern Abend in der Dunkelheit ankamen, gaben wir Stoff zu Camphaufenfchen Bihdern. Jedermann lief mit einem Stück Licht oder Holzſpahn
BEN
Leider mußten wir in der Nacht noch in unfer altes Bivuac St. Privat marfchieren. Wir campiren bier auf Stroh, mitten unter franzöf. QVerwundeten; das Dorf brennt noch vom 18. an; die Häufer find zerftört, überall blutige Kleider. Das ift wenig Iuffig.
Public domain. Text from Internet Archive.