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memoir · by a contemporary
Ein deutsches Reiterleben
Husar-Officier (1786–1859), 1861
Named on the pages for Battle of Eylau, Battle of Bautzen, Battle of Leipzig.
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7–8 February 1807 (26–27 January Old Style)
Battle of Eylau
Zünftes Kapitel: Heilung meiner Wunden in Lübed. Gaſtfreundliche Aufnahme bei einer Lohgerberfamilie. — Reife nah Oftpreußen zum Heere. — Uebermuth der Fran» zofen in Preußen. — Klägliches Benehmen vieler Einwoh- ner. — Gefährliges Durchſchleichen durch die feindlichen Borpoften. — Ankunft beim Corps des Generals von Efocg. — Einteilung als Orbonnanpofficier. — Neue Eauipirung. — Erſtes Gefecht mit den Feinden. — Die ruſſiſche Armee unter General von Bennigfen. — Schlacht bei Eylau. — Berfpiebenartige Scenen während berfefben. — Berluft des Pferdes. — Aufenthalt im ruſſiſchen Haupt- quartier. — Uebeler Eindrud des Rüldzuges nach Königeberg.
Eylau ſchwer verwundet uud ſtarb, von feiner treuen Les bensgefährtin auf das Eifrigfte gepflegt. Das Lazareth⸗ fieber raffte auch bald darauf dieſe ſchöne, eble und muthige Fran, eine wahre Zierde ihres Gefchlechts, hinweg.
Furchtbar blutig ging es an biefem Tage zu, und im Berhältuig ver Zahl der Kämpfer ift dieſe Schlacht bei Eylau, die eigentlih gänzlich ohne Refultat blieb, eine von benen gewefen, welche die meiften Opfer erforberte. Die Ruſſen fochten mit der ganzen zähen, über jeves Lob erhabenen Ausdauer — theilweiſe aber aud mit einer gewiſſen ihnen eigenen Schwerfälligfeit —; bie von einem Napoleon befehligten Franzoſen, aber mit ihrem gemöhn- lichen higigen Ungeftäm. So mußten denn freilich bie Berluſte auf beiden Seiten groß fein.
Zu grimmig hatten ſich bie beiden hier ringenden Gegner in einander verbiffen, als daß fle nicht mit Aufe bietung auch der legten Kräfte noch lämpfen follten. Keiner wollte das Schlachtfeld räumen, Keiner fih ale Deflegter erlären, wie man benn auch bei firenger Un- parteilichfeit in der That nicht entſcheiden kann, wer in diefer bintigen Schlacht bei Eylau wirklich geflegt bat.
20–21 May 1813
Battle of Bautzen
Ankunft in Königsberg. — Anfänglich unfreundlicher Empfang beim General von York. — Politiſches Leben in Oſtpreußen. — Allgemeiner Enthuſiasmus für den Krieg gegen Frankreich. — Der Freiherr vom Stein. — Anftellung als Rittmeifter bei der ofipreußifhen Landwehrkavallerie. — Beſchaffenheit ber Landwehr. — Glänzende Opferbereitwilligfeit aller Volks⸗ Hoffen. — Kraft bes Landes. — Guter Kortgang der Kriegs⸗ rüfungen. — Einzelne Züge des aufopferndften Patriotis- mus. — Eindrud der Schlachten bei Ligen und Bautzen. — Allgemeine Niebergefchlagenheit bei ber Nachricht des ab- geihloffenen Waffenftillftanbes.
Die Schlacht bei Fügen warb anfänglich auch bei uns als ein Sieg gefeiert und in ben Kirchen ein Daukfeſt deshalb gehalten. ALS wir aber erfuhren, daß unfer Heer fi trotz dieſes angeblichen Sieges wieder zurüdzöge und feloft Dresven geräumt habe, da fhüttelten Mande über ſolchen vermeintlihen Sieg fehr zweifelhaft die Köpfe. Ebenſo war dies aud mit der Nachricht über die Schlacht bei Bautzen, deren Verluſt freilich nicht verheimlicht wer den konnte und dem Rüdzug nach Schlefien, der Fall. Da gab es gar manche betrübte Geſichter, und es gehörte ſchon ein ſtarker Sinn dazu, nicht zu verzagen und an ben unverloͤſchlichen Siegesftern Napoleons, dieſes großen Feld⸗ herrn, der in faum drei Monaten wieder ein foldes Heer aus dem Boden geftampft hatte, zu glduben. Auch viele thränenvolle Augen konnte man bereits in Oftpreußen fehen und Trauerfleiver erſchienen allmälig immer mehr in den Straßen der Städte und Dörfer. “Die oſtpreußiſchen Linienregimenter, die ſich vielfach im Heerestheile vom General York befanden, hatten ſehr bebentend gelit- ten, und gar mande Familie mußte ſchon den Verluft von theuren Angehörigen beweinen. Nur der allgemein anerkannte Muth und die Ausdauer, welche unfere Trup· pen bisher bei jeder Gelegenheit bewieſen hatten, vermochte einigermaßen über alle dieſe Unfälle zu tröften. Daß unfer
16–19 October 1813
Battle of Leipzig
Ein junger Officier von Württemberg-Hufaren, ber fi bis jetzt bei jeder Gelegenheit ausgezeichnet hatte — ex fiel 1813 bei Leipzig vor dem Feind — fprang plötzlich anf und rief mit erhobener Stimme: „Kameraden, das Schidſal der nädften Schlacht ift unentſchieden und ſteht im Gottes Hand; laßt und aber gegenfeitig das Wort
Wir hielten den langen heißen Sommertag hier Raft, ımb wurden von ben gaftfreien Bewohnern biefer reihen Handelsſtadt, welche über die undeutſche Politik ihres Königs fehr mißvergnügt fchienen, mit Speife und Trank reihlih erquidt. Ich felbft hatte das Glück, bei einer gebildeten Kaufmannsfamilie einquartirt zu werben, und die Feine nette, hübſche Hausfrau mußte gar nicht, was fie mir Alles auf den Tiſch fegen follte, um mich zu ſtärken. Eine Couſine des Haufes, welche Anlage zur Kunft hatte, war gar nicht davon abzubringen, mid, zu zeichnen, um das Portrait eines ſchwarzen Todtenkopf⸗ Öufarenofficierd in ihrem Stammbuche zu befiten. Noth- gedrungen mußte ich nachgeben, war aber von ven Strapazen des legten Tages jo ermübet, daß ich trog alles Geplauderd der Damen während der Sigung faft einfchlief. Die Coufine hatte Humor genug, mir dies nicht übel zu nehmen, fondern mid ale Schlafenden bar: zuftellen, was ein ganz hübfches Genrebild gab. Nach der Schlacht bei Leipzig 1813 habe ich in dieſem Haufe wieber einige Wochen ald Berwunbeter gelegen.
vollftändig zu vertreiben, und im die Vorſtädte von Leip⸗ zig einzubringen. Im allen Gärten, Hänfern, Höfen und Straßen wurde jest theilweife mit der äußerften Erbitte- rung gelämpft. Der Feldmarſchall Blücher, der fehr gern den Ruhm haben wollte, mit feinem Corps die Stadt zu⸗ exft zu befegen, befand fi perſönlich mit an der Spitze einer Sturmkolonne, die aus den Regimentern EKatharinen⸗ burg, Rilst, Polotzk, Alt-Ingermannland und Archangel gebildet war, und ließ fein beliebte® „Borwärts, vorwärts Ihr braven Ruſſen, man immer friſch druf nnd gebts ihnen gehörig” erfhalln. Es war ein ungewöhnlid heftiges Kämpfen hier und ebenfo blutig wie das fchlefiihe Heer bei Mödern die Schlacht bei Leipzig begonnen hatte, be= Ihloß es folhe auch jetzt durch dieſe Eritürmung bes feft verbarrifabirten Halleihen Thores. Das Regiment Efatharinenburg, welches ſich 1812 bei Borobino fo fehr ausgezeichnet hatte, war jett das Erfte was durch das Thor in die Gerbergaſſe eindrang, bald folgten auch Soldaten von Alt-Ingermannland und Arhangel. Aber immer noch kämpften die Feinde, von Ergebung und Streden der Waffen war feine Rebe, und aud) Gefangene wurden wenige gemadht, denn unfere erbitterten Soldaten ' fhlugen Alles, was fie erreihen konnten, ſchonungslos nieder. Es kamen gar häufig Scenen des erbittertften Kampfes vor. So entfinne ih mich noch, daß ein großes Haus in der Gerbergafle von polnifhen Soldaten ſtark befegt war, welde ein fehr heftiges feuer gegen unfere Zruppen unterhielten. Eine Compagnie des Regiments Archangel ftärmte mit dem Bajonnett darauf los, allein
Leipzig und die Anftrengungen, welche dabei den verbündeten Truppen zugemutbet waren, hatten bei Allen eine gewiffe Abfpannung, die felbft in völlige Erſchöpfung überzugehen drohte, erzeugt, woburd eine kurze Erholung nothwendig wurde. Das Yorkſche Corps konnte fi) noch immer nicht wieder ganz von feinen Berluften bei Mödern erholen und feine Reorganijation ging auf dem Papier raſcher wie in der Wirflichleit vor fi. Man muß nur erwägen, daß bei und Preußen ſich viele junge Soldaten und ungeübte Landwehrmänner befanden und wir bei unjerer NWeiterei, ber doch hauptfählic die Aufgabe der fchnellen Berfol- gung zufiel, eine große Menge jchlechter, ſchwacher Pferde befaßen, die man im Frühling bei den ungeheuren Kriegs⸗ rüftungen aus Mangel an befjeren nothgebrungen hatte einftellen müfjen. Gegen dieſen Uebelftand, der auch noch 1814 manden Nachtbeil bradyte, konnte jelbft ein Blücher nicht ankommen. Bei den Rufen war das Material der Pferde zwar ungleich, beffer als bei uns, aber ihr Verpflegungs⸗ wejen war langfam und ſchlecht geordnet und erjchwerte jeve fchnelle Bewegung größerer Heeresmaflen. Wie oft bat fi der alte Blücher nicht über dieſe fchlehte und langſame Berpflegung der xuififhen Truppen in ben beftigften Zornesworten ergoffen, ohne daß dadurch nur das Mindefte geändert würde. Das Uebel lag Bier viel zu tief. Ein Theil diefes Heeres war aber auch gar nicht friegsluftig mehr geftimmt, glaubte genug gethan zu haben und fehnte fih nad Frieden und der Rücklehr nah Rußland. Befonders nad der Schlacht bei Leipzig machte ſich diefe Anficht bei vielen ruffifhen Officieren, ja v. Widebe, Neiterleben III. 14
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